Nach dem Arbeitsvertragsgesetz und dem Gesetz über die Mediation in Arbeitsstreitigkeiten sind Arbeitskampfmaßnahmen nur zulässig, wenn ein Tarifvertrag ausgelaufen ist und ein neuer Tarifvertrag noch aussteht oder wenn der Grund für die Maßnahme nichts mit den Beschäftigungsbedingungen zu tun hat, wie dies bei politischen Streiks und Solidaritätsaktionen der Fall ist. Die Friedensklausel in einem Tarifvertrag kann auch bedingungslos sein, in diesem Fall sind auch Solidaritätsaktionen verboten. Friedensklauseln gelten für Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und Mitglieder von Arbeitgeberorganisationen. Friedensklauseln gelten formal nicht für einzelne Arbeitnehmer oder Gewerkschaftsmitglieder, aber die Nichteinhaltung einzelner Gewerkschaftsmitglieder kann Auswirkungen auf die Gewerkschaft haben. Zum Beispiel, wenn Ihr Unternehmen einer Arbeitgeberorganisation beitritt, die einen Tarifvertrag mit einer Arbeitnehmervereinigung/einer Gewerkschaft abgeschlossen hat. Nach dem seit den 70er Jahren geltenden Grundsatz der allgemeinen Anwendbarkeit sind tarifliche Vereinbarungen auf branchenweiter Ebene allgemein verbindlich und gelten daher auch für unorganisierte Arbeitgeber und Arbeitnehmer in diesem Sektor. 2001 trat das sogenannte Bestätigungsverfahren für allgemeinverbindliche Tarifverträge in Kraft. Eine Sonderkommission des Ministeriums für Soziales und Gesundheit bestätigt die allgemeine Anwendbarkeit der Vereinbarungen. Eine Vereinbarung auf Sektorebene ist allgemein anwendbar, wenn sie als repräsentativ für den betreffenden Bereich angesehen werden kann. Die repräsentative Vertretung in dieser Hinsicht bedeutet, dass schätzungsweise mehr als die Hälfte der Beschäftigten in diesem Sektor für Arbeitgeber arbeiten, die die Vereinbarung unterzeichnet haben. Finnland verfügt traditionell über ein dreistufiges System, wobei Tarifverhandlungen normalerweise auf nationaler, sektoraler und lokaler Ebene stattfinden.

Diese Praxis befindet sich jedoch derzeit in einem Wandel: Nach einer Änderung der internen Regeln in den Jahren 2015-2016 hat sich der Spitzenverband der finnischen Industrie (EK), der wichtigste Arbeitgeberverband, gegen die Teilnahme an Tarifverhandlungen auf zentraler Ebene entschieden. So könnte der Pakt für Wettbewerbsfähigkeit 2016, eine wichtige dreigliedrige Arbeitsmarktvereinbarung, die unter anderem einen Lohnstopp für 2017 und eine 24-Stunden-Verlängerung der Jahresarbeitszeit vorsieht, die letzte der großen zentralisierten Vereinbarungen gewesen sein. Die Tarifrunde 2017–2018 wurde direkt auf sektoraler Ebene ausgehandelt, ohne dass eine zentrale Vereinbarung vorausgegangen wäre. Aufgrund der allgemeinen Anwendbarkeit ist das Niveau der Tarifverhandlungen erheblich hoch, wobei die Deckungsquote aller Ebenen nach den neuesten verfügbaren Daten bei etwa 89 liegt (Ahtiainen, 2016).